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Wurzelkanalbehandlung (endodontische Behandlung)

Bild 1: Entzündeter Nerv mit Beteiligung des Knochens über die Wurzelspitze hinaus
Bild 2: Röntgenkontrolle nach 5 Jahren, Ausheilung der Knochenentzündung
Bild 3: Einsatz des Mikroskops
Bild 4: Flexible FeilenBilder
Bild 5+6: Füllung gekrümmter Kanäle

Das Fachgebiet der Endodontie hat in den letzten Jahren aufgrund der Einführung neuer Techniken und Instrumente einen enormen Aufschwung erfahren. Neue hochflexible Instrumente aus Nickel-Titan, spezielle Fülltechniken und der Einsatz von Mikroskopen haben die Wurzelkanalbehandlung zu einer sicheren Therapie werden lassen.

Durch moderne Wurzelbehandlungen können Zähne oft erhalten werden, deren Pulpa entzündet oder abgestorben ist. Mit entsprechendem Aufwand, Können und dazu gehöriger Ausrüstung ist man heute auch bei schwierigen Wurzelanatomien erfolgreich. Als Erfolg gilt dabei, wenn der Zahn langfristig erhalten werden kann, nicht schmerzt und auf dem Röntgenbild eine technisch saubere Wurzelfüllung aufweist, ohne Anzeichen einer Entzündung an der Wurzelspitze.

Wann brauche ich eine Wurzelkanalbehandlung?

Endodontische Behandlung wird nötig, wenn sich der Nerv (Pulpa) entzündet oder infiziert. Die Entzündung oder Infektion kann eine Vielzahl von Ursachen haben: häufig tiefe Karies, wiederholte Behandlungen am Zahn, Zahn-/Wurzelriß oder Verletzung bei einem Unfall.

Wenn die Pulpaentzündung oder Infektion unbehandelt bleibt, können Schmerzen entstehen, welche auch zu einem Abszess führen können. Zeichen von Pulpaschädigung beinhalten Schmerz, verlängerte Empfindlichkeit auf Hitze und Kälte, Farbveränderung der Zahnkrone und Schwellung. Es kann aber auch vorkommen, dass eine Pulpaschädigung ohne Symptome vor sich geht.

Wie rettet eine Wurzelkanalbehandlung einen Zahn?

Der Zahnarzt entfernt die entzündete oder infizierte Pulpa, reinigt und erweitert den Wurzelkanal; anschließend füllt und verdichtet er den entstandenen Hohlraum. Nach Abschluss der Wurzelkanalbehandlung erfolgt ein Aufbau der verloren gegangenen Kronenanteile mittels Füllung oder Krone und Stiftaufbau.

Durchführung einer Wurzelkanalbehandlung

Bild 1: Aufsuchen der Wurzelkanäle
Bild 2: Reinigen der Kanäle
Bild 3: Füllen des Kanals mit Guttapercha
Bild 4: Röntgenbild eines verschlossenen Kanals

Zuerst wird der Zahn untersucht, es werden Röntgenaufnahmen hergestellt und vor Behandlung meist eine Lokalanästhesie durchgeführt. Wenn der Zahn unempfindlich ist, kann ein kleiner Schutz aus Gummi (Kofferdamm) über den Zahn gestülpt werden, um die Umgebung und den Zahn zu isolieren und vor Speichel und Bakterien zu schützen.

Es wird eine kleine Öffnung in den Zahn gebohrt. Die Kanäle werden lokalisiert und anschließend mit feinen Instrumenten gereinigt. Mit Hilfe der elektronischen Längenmessung und Röntgenbildern können die Länge und Krümmung der Kanäle bestimmt und der Verlauf beurteilt werden. Hochflexible Nickel-Titan-Feilen sorgen für eine gründliche Aufbereitung auch gekrümmter Kanäle.
Da die Wurzelkanäle sehr klein sind und sich oft verzweigen, ist es nicht immer einfach, alle Kanäle mit ihren Seitenästen aufzufinden. Hierbei kommt bei der modernen endodontischen Behandlung ein OP-Mikroskop zum Einsatz. Es ermöglicht optimale Sicht und somit das Auffinden auch kleinerer Kanälchen. Nur wenn die Wurzelkanäle komplett aufgefunden und gereinigt wurden, kann eine Wurzelkanalfüllung erfolgen.

Die Wurzelfüllung erfolgt mit gewebeverträglichem Füllmaterial. Dazu werden meist das sogenannte Guttapercha und ein Zement verwendet. Der Zugang zum Wurzelkanal wird verschlossen und die definitive Restauration des Zahnes durchgeführt.

Wie ist die Prognose einer Wurzelkanalbehandlung?

Bild 1: Unzureichende Wurzelkanalbehandlung
Bild 2: Röntgenbild nach Revision der Kanäle
Bild 3: Aufbau einer zerstörten Zahnkrone

Der Erfolg einer Wurzelkanalbehandlung hängt von unterschiedlichen Kriterien ab. Allgemein kann von einer Erfolgschance von über 90% ausgegangen werden.

Gemäß wissenschaftlicher Studien wird von der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung die Erfolgschance bei einer Revision (erneute Behandlung) der Wurzelkanäle mit 75% - 80% angegeben. Diese Prognose ist aber auch in entscheidendem Maße davon abhängig, wie gut sich die vorherige Wurzelfüllung entfernen lässt. Hohe Erfolgszahlen können nur durch den konsequenten Einsatz moderner Behandlungsmethoden und -techniken erreicht werden.

Eine derart aufwendige Behandlung zum Erhalt eines Zahnes erfordert allerdings viel Zeit und ist kostenintensiv. Auf der anderen Seite bedeutet aber auch der Verlust eines Zahnes erhebliche Folgekosten, z.B. für eine neue Brücke oder für ein Implantat. Behandlungen dieser Art liegen darum weit außerhalb der Richtlinien der gesetzlichen Krankenkassen. Hierin ist begründet, dass die Berechnung dieser Behandlung nur auf Basis der privaten Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) erfolgen kann.

Endodontische Mikrochirurgie

In einigen wenigen Fällen kann eine Wurzelkanalbehandlung alleine den Zahn nicht retten. Dies kann der Fall sein, wenn eine komplexe Kanalstruktur vorliegt, die stark verzweigt ist und Bakterien im Wurzelkanal dadurch nicht ausreichend entfernt werden können.Auch können bei der Kanalsäuberung nicht überwindbare Verkalkungen im Kanalverlauf vorliegen, die selbst mit feinsten Instrumenten den Kanal unpassierbar machen. Manchmal wurde im Kanal auch schon bei einer vorangegangenen prothetischen Versorgung ein Stift verankert, dessen Entfernung nicht möglich ist oder mit einer zu hohen Bruchgefahr für die Wurzel verbunden wäre. Bei anhaltenden Problemen an einem Zahn trotz einer auf dem Röntgenbild korrekt erscheinenden Wurzelfüllung, ist die chirurgische Freilegung der Wurzel zur Diagnose möglicherweise vorhandener mikroskopisch feiner Wurzelfrakturen notwendig. In diesen Fällen kann endodontische Chirurgie die letzte Chance darstellen, den Zahn zu erhalten.

Die Wurzelspitzenresektion

Die sogenannte Wurzelspitzenresektion ist eine chirurgische Maßnahme. Dabei wird ein Zugang durch den Knochen zur Wurzelspitze geschaffen, um das infizierte Gewebe zu entfernen. Gleichzeitig kann die Wurzel unter direkter Sicht mit Hilfe des Mikroskops untersucht und deren äußerste Spitze, in der sich oft feinste und deshalb nicht zu reinigende Kanalverästelungen befinden, abgetrennt werden. Es werden die Wurzelkanäle mit ihren Ausläufern dargestellt und mit sehr kleinen Ultraschallinstrumenten von der Rückseite aufbereitet. Eine kleine Füllung wird von der Wurzelspitze her mit einem körperverträglichen Material eingebracht, um den Wurzelkanal zum Knochen hin bakteriendicht zu verschließen. Um eine zügige Heilung zu erwirken, wird das Zahnfleisch anschließend mit mikrochirurgischen Nähten verschlossen. Durch diese Behandlung kann es zu einer Regeneration des Knochens um die Wurzelspitze in den darauffolgenden Monaten kommen.